Die Plattform für Compliance-Verantwortliche

Das FIDLEG verstehen: Schweizer Investoren schützen

Jacob Gertel

Wenn eine neue Regulierung kommt, reichen die Reaktionen in einem Finanzunternehmen von einem Stöhnen bis zu blankem Entsetzen. Aber für Schweizer Unternehmen, die mit dem FIDLEG (Finanzdienstleistungsgesetz) zu tun haben, besteht kein Grund zur Panik. Einige Elemente der Regulierung werden Unternehmen, die auch im EWR aktiv sind, bekannt vorkommen.

Das eidgenössische Finanzdienstleistungsgesetz wurde am 15. Juni vom Schweizer Parlament verabschiedet und enthält Regeln, die Finanzdienstleister in Kundenbeziehungen beachten müssen. Es konzentriert sich stark auf den Schutz von Investoren und die ordnungsgemässe Verteilung von Finanzinstrumenten. Auch führt es eine Reihe neuer Voraussetzungen ein, die Unternehmen erfüllen müssen, wie z.B. Registereintrag für ausländische Finanzdienstleister, Anschlusspflicht an Ombudsstelle.

Darüber hinaus ist die Verordnung zum FIDLEG derzeit Gegenstand von Beratungen, die bis Februar 2019 abgeschlossen werden sollen. Dies macht die Regulierung zu einer unberechenbaren Tangente für Finanzdienstleister: Sie müssen sich darauf vorbereiten, auf neue Regeln zu reagieren und gleichzeitig darauf eingestellt sein, dass sich diese Regeln ändern könnten.

Was müssen Unternehmen wissen um sich auf das FIDLEG im Kontext der bestehenden ineinandergreifenden Regulierungen (wie MiFID II und PRIIPs) einzustellen?

Das FIDLEG könnte einem bekannt vorkommen

Falls Sie ein Mengendiagramm zeichnen müssten, mit einem Kreis für MiFID II und einem Kreis für PRIIPs, dann wäre die Schnittmenge der beiden Kreise, angewendet auf den Schweizer Markt, das FIDLEG. Das FIDLEG legt den Schwerpunkt auf den Investorenschutz gemäss MiFID II, jedoch ohne die Meldepflichten (welche unter die FinfraG-Regelungen in der Schweiz fallen). Ziel ist, Kleinanleger mit Hilfe von BIBs (Basisinformationsblatt) zu schützen, die auf den ersten Blick sehr den KIDs (Key Information Document) von PRIIP ähneln. Die Ähnlichkeiten sind so stark, dass Berater KIDs statt BIBs verwenden können, falls diese bereits existieren.

BIBs sind eine neue Voraussetzung mit dem Ziel, Endkleinanleger mit den wichtigsten Informationen zu versorgen, die diese bei der Investition in Finanzinstrumente benötigen. Zu diesen zählen unter anderem Risiken und verbundene Kosten. Das BIB muss vom Hersteller des Finanzinstruments erstellt werden, und es ist die Verantwortung der Berater, die BIBs für alle Produkte, zu denen sie beraten, zu beschaffen und bereitzustellen.

Obwohl es Überschneidungen mit PRIIPs gibt, ist das FIDLEG nicht ganz so streng. Die Schweizer Regulierungen umfassen nicht alle Teile der EWR-Regulierungen. Beispielsweise fallen OTC-Derivate nicht darunter. In dieser Hinsicht sollte es einfacher sein, das FIDLEG zu befolgen als PRIIPs.

Dokumente sind wichtig – Metadaten dürfen aber nicht vergessen werden

Es ist jedoch für Berater nicht ausreichend, die Dokumente zusammenzustellen und ihren Kunden eine PDF-Datei zu übermitteln.  Bei der Erstellung der Dokumentation ist es hilfreich wenn die Metadaten  verbunden werden, wodurch die Dokumente einfacher zu finden sind und so in der gewünschten Sprache gefunden und im entsprechenden Prozess verwendet werden können. Dies lindert ein grosses Problem für Distributoren – wie Banken und Vermögensverwalter – welche angewiesen sind, ihren Endkunden verfügbare Dokumente zur Verfügung zu stellen (selbst wenn sie nur für die Ausführung verantwortlich sind). Falls die Dokumente nicht einfach zu finden sind, könnten Unternehmen fälschlicherweise annehmen, dass diese nicht verfügbar wären und versehentlich die Compliance verletzen.

Letztendlich geht es beim FIDLEG um den Anlegerschutz. Ein besser informierter Endinvestor ist ein besser geschützter Endinvestor und sorgt so für einen gesünderen Markt im Allgemeinen. Jedoch sollten Firmen auch Schritte unternehmen, um sich selbst vor Compliance-Verletzungen und rechtlichen Risiken zu schützen, die mit den neuen Regeln einhergehen.

Der beste Weg, dies zu tun, ist, vom altmodischen „Nur so viel Compliance wie nötig“-Ansatz wegzukommen, der jedes Mal zu Panik führt, wenn neue Regeln vorgestellt werden. Obgleich es wichtig ist, spezifisch auf das FIDLEG einzugehen, ist jedoch die Verfolgung eines ganzheitlichen Top-Down-Ansatzes bei Regulierungen effektiver und bietet einen strategischen Vorteil.

Dieser Ansatz bedeutet, dass Kunden mit regulatorischen Anforderungen Schritt halten sollten – selbst wenn die aktuellen FIDLEG-Verhandlungen noch zu einigen Überraschungen führen könnten.

zum Programm der NZCK 2019